Punkt Null in der Geschichte der Menschheit
Geografisch liegt Göbeklitepe in der Nähe der Stadt Şanlıurfa. Doch der eigentliche Ort ist eine andere Dimension: Rund 12.000 Jahre alte monumentale, T-förmige Pfeiler ragen hier in den Himmel. Sie sind mit hochreliefierten Skulpturen von Skorpionen, Löwen und Geiern verziert – eine künstlerische Meisterleistung von Jägern und Sammlern, denen man solche Ambitionen bisher nicht zugetraut hatte.
Jetzt blickt die Archäologie-Welt nach Berlin. Der deutsche Archäologe Klaus Schmidt, lange Jahre Leiter der Ausgrabungen von Göbekli Tepe und Forscher am Deutschen Archäologischen Institut in Berlin, gilt bis heute als derjenige, der das außergewöhnliche Potenzial des unscheinbaren Hügels erstmals erkannte. Sein wissenschaftliches Erbe prägt die Forschung noch immer.
Seit Herbst 2025 treiben Prähistorikerinnen der Freien Universität Berlin, darunter die renommierte Forscherin Henny Piezonka, die Arbeiten vor Ort entscheidend voran. Mit hochmodernen Analyseverfahren untersuchen sie, ob die monumentale Anlage tatsächlich ausschließlich als Kultstätte diente – oder ob neue Hinweise auf Wohnstrukturen darauf hindeuten, dass hier einst eine dauerhafte Gemeinschaft lebte.
Berlin selbst rückt Parallel dazu das steinzeitliche Weltkulturerbe ins Rampenlicht: Unter dem Titel „Gebaute Gemeinschaft“ präsentiert die James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel ab Februar 2026 eine eindrucksvolle Schau. Insgesamt 96 Originalfunde und Repliken lassen den „Traum aus Stein“ mitten an der Spree neu aufleben.
Gebaute Gemeinschaft. Göbeklitepe, Taş Tepeler und das Leben vor 12.000 Jahren
6. Februar – 19. Juli 2026
Eine Sonderausstellung des Vorderasiatischen Museums – Staatliche Museen zu Berlin in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultur und Tourismus der Republik Türkiye, Generaldirektion für Kulturgüter und Museen, und dem Deutschen Archäologischen Institut Istanbul
Leyla Dirim, Januar 2026